Wo liegt Turo bzw. Turum aus dem Itinerarium Antonini?

Hier gehts um alles was mit Römern in Raetien und speziell rund ums Hachinger Tal zu tun hat. Angefangen mit der Römerstrasse über die Villa Rustica in Taufkirchen und "Vivamus" bis zur Tabula Peutingeriana, dem Itinerarium Antonini und den Notitia Dignitatum.

Wo liegt Turo bzw. Turum aus dem Itinerarium Antonini?

Postby hns on Wed Oct 18, 2006 8:03 pm

Ein ungelöstes Problem der Römerstraßenforschung in Raetien ist die Lage von Turo. Im Itinerarium Antonini wird (nach Cuntz) folgende Strecke angegeben:

259,3 Item a Ponte Aeni ad Castra m.p. CL:
4 Turo m.p. XLIIII
5 Iovisura m.p. LXIIII
6 Ad Castra m.p. XLII.

Da man Ponte Aeni sehr eindeutig als die Innbrücke bei Pfaffenhofen nördlich von Rosenheim identifiziert hat und Castra = Regina Castra = Regensburg ist, muß das eine Straße eben von Rosenheim nach Regensburg sein.

Traditionell (z.B. Reinecke, Walser) wird Turo bei Dorfen oder Haag gesucht, während Iovisura bei Landshut gesucht wird. Weitere Lokalisierungsversuche sind Töging (Rudolf Münch), Altötting (Bernhard Zöpf) und sogar Burghausen (Josef Stern). Nach meinem Kenntnisstand konnte jedoch noch keiner dieser vielen angenommenen Straßenverläufe wirklich archäologisch nachgewiesen werden. Es gibt allerdings Hinweise die ich nicht verschweigen möchte: http://www.ak-edling.de/Aktionskreis%20 ... trasse.htm und http://www.edling.de/gemeinde.php?site=chronik

Ludwig Tafelmayer schreibt zwar in einem Zeitungsbeitrag von Materialgruben bei der Andräkapelle in der Nähe von Furth bei Dorfen und auch die einigermaßen identifizierte Straße von Innsbruck bis Rosenheim läßt eine geradlinige Fortsetzung bis Regensburg sehr plausibel erscheinen.

Allerdings hat man dann ein Problem - eben das Turo-Problem - daß die Entferungsangaben des Itinerariums überaupt nicht zu den realen Entfernungen passen. Die direkte, geradlinige Strecke ist nur ca. 2/3 so lang wie die angegebene. Man hat daraus (und aus anderen Ungereimtheiten) einfach geschlossen, daß die Entfernungsangaben des Itinerariums relativ verfälscht überliefert wurden und unterstellt den Kopisten eine Vielzahl von Schreibfehlern.

J. Stern geht sogar soweit, daß er unterstellt, daß Turo gar nicht zu dieser Straße von Rosenheim nach Regensburg gehört, sondern eine Stichstraße ist die nach Burghausen führt. Und irgendeinem Abschreiber ist das so einfach versehentlich dazwischengerutscht.

Da damals aber nur relativ wenige Menschen des Schreibens kundig waren und diese durch eine vermutlich strenge Schule gegangen waren, kann ich mir das kaum vorstellen. Gelegentlich vergessene X, V oder I oder X die zu V wurden ("X für U vormachen") lasse ich mir eingehen. Aber Abweichungen in der Größenordnung der sich für die realen Entferungen von Haag/Dorfen und Landshut ergebenden erscheinen mir recht unwahrscheinlich. Und daß ein Ort dazwischenrutscht erst Recht.

Interessant ist diese Itinerariums-Strecke auch in Zusammenhang mit der Emmeransgeschichte. Emmeran http://de.wikipedia.org/wiki/Emmeram_von_Regensburg mußte im Jahr 652 nach seinem vorgeblichen Fehltritt möglichst rasch nach Rom reisen um seine "Sünde" zu beichten, wurde aber verfolgt und am 22. September bei Kleinhelfendorf ermordet. Es ist sehr anzunehmen, daß er die damals noch vorhandenen römischen Fernstraßen benutzt hat (zu Pferd) und dann eben in Helfendorf eine Herberge fand.

Damit hat man aber eine zweite unbeantwortete Frage: warum in aller Welt übernachtet Emmeran in Helfendorf, wenn die direkte Straße über Dorfen und Haag führt? Zu damaligen Zeiten lag das (selbst zu Pferde) ca. 1 Tagesreise von der Hauptstraße entfernt. Und warum fanden ihn die Verfolger so zuverlässig? Weil sie genau wußten welche Strecke er nehmen mußte (und es kaum Ausweichrouten gab).

Eine manchmal diskutierte Lösung ist daß es nicht Helfendorf war, sondern ein Ort bei Dorfen. Das erscheint mir aber insofern wieder nicht glaubwürdig als daß das Morddatum exakt bekannt ist. Dann sollte der Ort eigentlich auch schlüssig überliefert worden sein.

Aus allen diesen Fragestellungen und Lösungsvorschlägen habe ich mir dann meine eigenen Überlegungen gemacht und zwar gehe ich davon aus:

1. daß das Itinerarium sehr wohl genaue Entferungsangaben enthält und
2. daß die Verbindung von Ponte Aeni (259,3) ad Castra (259,6) keineswegs zwangsläufig eine weitgehend gerade Linie ist und deshalb über Dorfen/Haag und Landshut quer über das Hügelland führen muß
3. die Straße Helfendorf tangiert, weil Emmeran dort vorbeikommen mußte.

Statt einer Luftlinienverbindung ist meine Idee vielmehr eher so wie man heute auf dem schnellsten Autobahnweg (sofern es keine Staus gibt) von Rosenheim nach Regensburg fahren würde:

* in Rosenheim auf die A8 nach Nordwesten
* dann auf dem Autobahnring A99 und A9 durch die Münchner Schotterebene nach Norden
* dann auf der A92 Isarabwärts nach Nordosten in Richtung Passau
* und von Deggendorf dann Donauaufwärts auf der A3 bis Regensburg.

Damit ergibt sich m.E. folgender Verlauf der im Itienerarium beschriebenen Strecke:

Beginnend in Langenpfunzen/Pfaffenhofen führt die Straße weitgehend an der Mangfall entlang bis nach Helfendorf (oder zumindest in der Nähe). Bis dorthin ist der beschriebene Verlauf identisch mit der Strecke über Isinisca nach Ambrae ("Via Julia"), muß aber eindeutig vor Isinisca abzweigen, sonst wäre das sicher eine Stationsangabe auch auf dieser Strecke wert gewesen.

Ob Isinisca nun exakt in Helfendorf zu suchen ist oder nur in der Näheren Umgebung, das ist ein anderes Thema, das hier zunächst nicht weiter erörtert werden soll.

Das Itinerarium schreibt aber (in der Darstellung von Cuntz) auch "Item a Ponte Aeni ad Castra". Und das "Item" hat sicher seine Bedeutung und Berechtigung, bezieht sich nämlich auf die zuvor beschriebene Strecke von Salzburg bis zur Innbrücke und von da aus vielleicht noch ein Stück genauso weiter.

Also irgendwo bei Aying zweigt diese Strecke von der "Via Julia" nach Ambrae nach Norden ab (und eben nicht in Pfaffenhofen) und führt über Erding bis bei Langenpreising an die Isar. Für diese Nord-Süd-Straße sind viele Belege in der Bodendenkmälerliste verzeichnet. Dann geht es - ebenfalls archäologisch als Straße belegt - isarabwärts bis an die Donau und wieder donauaufwärts über Straubing (Sorviodurum) nach Regensburg.

Mißt man diesen Verlauf auf einer Karte nach, paßt die Gesamttrecke ziemlich gut zu den "CL m.p.".

Wo liegen nun Turo und Iovisura? Mit den Entfernungsangaben für die einzelnen Stationen wäre

* Iovisura in Moos/Burgstall an der Isarmündung in die Donau und vielleicht direkt an der Einmündung in die Straße von Regensburg nach Passau zu suchen (hierzu gibt es Luftbilder die eine solche Straßeneinmündung zeigen) und
* Turo wäre eben bei Erding zu suchen!

Nun könnte man sogar eine namensbildende Kette von Turo -> Turoding -> Turding -> Erding vermuten - aber da kenne ich mich zu wenig aus.

Ein anderer Hinweis, dem ich momentan nachgehe, behauptet, daß Altenerding schon den keltischen Namen "Ariodurum" hatte. Naheliegend wäre dann, daß das die Römer dann zu Turum verkürzt haben, während die Bajuwaren mehr Wert auf den Ario-Ort -> Arioding -> Erding gelegt hätten. Hierzu ist demnächst vielleicht mehr zu berichten.

Mit dem aufgezeigten Straßenverlauf kann man nun auch die Frage beantworten, warum Emmeran auf dem direkten Weg von Regensburg nach Rom überhaupt nach Kleinhelfendorf kam. Das lag nämlich an der Fernstraße und damit schnellsten Verbindung. Vielleicht hat er sogar donauabwärts von Regensburg bis Moos-Burgstall ein Schiff genommen und ist dann über Erding bis Helfendorf galloppiert.

Was ist der Vorteil dieser Theorie:
* die Entferungen des IA stimmen
* alle Straßenstücke sind zumindest teilweise belegt
* sie erklärt warum Emmeran überhaupt in Helfendorf Quartier nahm
* es erklärt warum man trotz 150 Jahren Suche keine unbestreitbaren Belege für eine römische Straße von Rosenheim über Dorfen/Haag nach Landshut oder Landshut nach Regensburg finden konnte.

Nun heißt es nach weiteren Belegen zu suchen ob es in oder bei Erding sogar römische Funde in größerem Maßstab als einzelne Villae Rusticae gibt. Und wo Isinisca genau lag, wenn es nach dieser Theorie nicht in Helfendorf sein kann.

Wie sind nun die Straßenstücke bei Edling und an anderen Stellen zu interpretieren? Hierzu ist noch vieles zu analysieren, aber Möglichkeiten sind: sie entstanden zu einem anderen Zeitpunkt als das IA-Straße (also viel früher oder viel später), und sie waren vielleicht Nebenstraßen die von Septimus Severus und Caracalla gar nicht repariert wurden. Das könnte auch erklären warum man in dieser Gegend bisher keine Meilensteine gefunden hat. Oder das beschriebene Stück bei Edling gehört zu einer weiteren Straße von Ebersberg über Wasserburg nach Seebruck, von der einige Teile im Ebersberger Forst belegt sind (Topografische Karten und Bayerische Denkmalliste).
hns
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Re: Wo liegt Turo bzw. Turum aus dem Itinerarium Antonini?

Postby hns on Wed Jul 23, 2008 9:06 pm

hns wrote:Beginnend in Langenpfunzen/Pfaffenhofen führt die Straße weitgehend an der Mangfall entlang bis nach Helfendorf (oder zumindest in der Nähe). Bis dorthin ist der beschriebene Verlauf identisch mit der Strecke über Isinisca nach Ambrae ("Via Julia"), muß aber eindeutig vor Isinisca abzweigen, sonst wäre das sicher eine Stationsangabe auch auf dieser Strecke wert gewesen.

...

Wie sind nun die Straßenstücke bei Edling und an anderen Stellen zu interpretieren?

Hierzu gibt es neue Erkenntnisse und Messungen, die einen anderen Verlauf nahelegen.

Zum einen passt eine Strecke von Pfaffenhofen (Kastellfeld) über Edling nach Norden bis sie auf die Ebersberger Forststraße stößt, dann auf dieser nach Westen und Abzweig nach Norden bis Erding hervorragend zu der Entfernungsangabe.

Von dort weiter nach Norden bis an die Isar und bis in die Gegend von Burgstall/Moos passt sehr gut zu Iovisura. Und der Rest bis Regensburg ebenso. Man kommt mit ca. 2-3 km Abweichung (unklarer Verlauf) hin, wenn man auf Google Maps/Earth nachmißt.

Damit wäre die geradlinige Straße von Reitmehring über Landshut nach Regensburg eine Interpretation, die die Wahrscheinlichkeit dass bei der Überlieferung Fehler passiert sind als höher bewertet als die Wahrscheinlichkeit dass die Römer einen solchen Zickzack-Kurs nehmen mußten (oder einfach dokumentiert haben, denn nirgends ist bewiesen dass eine solche Straße gezielt von Ponte Aeni ad Castra angelegt wurde).
hns
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Re: Wo liegt Turo bzw. Turum aus dem Itinerarium Antonini?

Postby hns on Wed Jul 23, 2008 9:31 pm

hns wrote:Nun könnte man sogar eine namensbildende Kette von Turo -> Turoding -> Turding -> Erding vermuten - aber da kenne ich mich zu wenig aus.

Ein anderer Hinweis, dem ich momentan nachgehe, behauptet, daß Altenerding schon den keltischen Namen "Ariodurum" hatte. Naheliegend wäre dann, daß das die Römer dann zu Turum verkürzt haben, während die Bajuwaren mehr Wert auf den Ario-Ort -> Arioding -> Erding gelegt hätten.

Ein Leser hat mir dazu folgenden Text geschickt:
Zufällig habe ich das hier gelesen und eine etymologische Idee dazu. Vergiss sofort "Turo-ding" und "Altenerding", das bringt mich nur durcheinander und führt auf Abwege!

Aber:

Ariodurum ist Spitze, besser geht es eigentlich garnicht und mein Sprachinstinkt spricht sofort an:

Ein Suffix -durum kann sich, wie du schreibst, in der Tat zum neuen Wort verselbständigen (Beispiel: Ham-burger --> Burger, Burger-King sogar mit neuem compound!)

Wie kommt es aber zu -Turum? also: d > t ? Lautwandel! Diesen kann ich dir beweisen! Erding hieß nämlich urkundlich im MA: Arting !

Wir haben dann das "t" im Namen nachgewiesen, es kommt im Dialekt und in Urkunden vor. Die Bajuwaren betonten den vorderen Teil des Namens (vgl."Sorvio-durum= Straubing"), die Lateiner das Suffix -durum/-turum, weil ihre Grammatik endungsbezogen ist.

Wir haben dann nebeneinander die Form mit "t" oder "d" in der Mitte:

Bajuwarischer Stamm:
Ario-durum > Ario-turum > Ar-ting > Erding (das scheint mir sicher nachweisbar)

Rätischer Stamm:
Ario-durum > Ario-turum > Turum (n.) , Landkarten-Ablativ = Turo

hns
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Re: Wo liegt Turo bzw. Turum aus dem Itinerarium Antonini?

Postby hns on Wed Jul 23, 2008 9:37 pm

hns wrote:Ein anderer Hinweis, dem ich momentan nachgehe, behauptet, daß Altenerding schon den keltischen Namen "Ariodurum" hatte.

Dieser Quelle genauer zu erforschen hatte ich bislang noch nicht die Zeit.

Jedoch gibt es eine völlig andere Quelle, nämlich den Claudius Ptolemäus. Er führt in der Provinz Raetien einen Ort "Carrodunum" (Καρρόδουνον) auf, der nach seinen (relativ groben) Koordinatenangaben (33°50', 46°45') irgendwo zwischen Augsburg und Passau liegt.

Das würde auf Erding durchaus zutreffen.

Und zwischen "Ariodurum" und "Carrodunum" gibt es durchaus viele Ähnlichkeiten.
hns
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Re: Wo liegt Turo bzw. Turum aus dem Itinerarium Antonini?

Postby hns on Tue Aug 05, 2008 9:59 am

hns wrote:
hns wrote:Ein anderer Hinweis, dem ich momentan nachgehe, behauptet, daß Altenerding schon den keltischen Namen "Ariodurum" hatte.

Dieser Quelle genauer zu erforschen hatte ich bislang noch nicht die Zeit.

Jedoch gibt es eine völlig andere Quelle, nämlich den Claudius Ptolemäus. Er führt in der Provinz Raetien einen Ort "Carrodunum" (Καρρόδουνον) auf, der nach seinen (relativ groben) Koordinatenangaben (33°50', 46°45') irgendwo zwischen Augsburg und Passau liegt.

Das würde auf Erding durchaus zutreffen.

Und zwischen "Ariodurum" und "Carrodunum" gibt es durchaus viele Ähnlichkeiten.

Hierzu gibt es inzwischen vieles zu berichten und eine neue Theorie.

Fangen wir mit den Fakten zu Erding an:

1. Nekropole Kletthamer Feld
http://univis.uni-bamberg.de/formbot/ds ... f_3Dresrep

berichtet von einer großen frühmittelalterlichen Nekropole im Kletthamer Feld bei Altenerding.

Hier die wichtigsten Stellen mit Bezug auf eine römische Vorgängersiedlung:
Das Gräberfeld liegt im Bereich einer römischen Nekropole mit Brandgräbern, die durch zahlreiche verbrannte Keramikscherben und einzelne verbrannte Menschenknochen in den Grabverfüllungen der frühmittelalterlichen Bestattungen nachgewiesen ist.

Das Gräberfeld von Altenerding, dessen Nutzung etwa 150 Jahre vor der ersten urkundlichen Erwähnung der Baiern begann, ist das größte frühmittelalterliche bzw. merowingerzeitliche Gräberfeld auf süddeutschen Boden und eines der größten Mitteleuropas.

Die Nekropole lag mit Sicherheit in unmittelbarer Nähe einer bis in die Spätantike bestehenden römischen Siedlung.


Damit haben wir: in Erding gab es eine römische Siedlung

2. Römerstraße
Im Bayernviewer Denkmal ist die römische Straße gut belegt. Sie führte als Abzweig von der Isartalstraße von Berglern über Erding (Alte Römerstraße, Kreuzung Dorfener Str und Friedrich-Herbig-Str., Petersbergstr/B388, nach Moos/Niederried) wo sie in die Ebersberger-Forststraße (Reinecke) bzw. RS III (K. Schwarz) mündete.

3. Historischer Name von Altenerding (Arding, Ariodunum)
Inzwischen bin ich zu der Quelle fündig geworden und zwar bei Aventin (linke Spalte, unteres Drittel) und Fußnote p):

http://www.uni-mannheim.de/mateo/camena ... s0005.html

D.h. das stammt aus der Feder von Aventinus (Ausgabe von 1710). Aventin hat * 4. Juli 1477 in Abensberg (Niederbayern), † 9. Januar 1534 in Regensburg gelebt.

http://www.uni-mannheim.de/mateo/camena ... les_1.html
http://www.uni-mannheim.de/mateo/camena ... _hist.html
http://www.uni-mannheim.de/mateo/camena ... s0001.html

Als sein Hauptwerk gelten die zwischen 1517 und 1522 entstandenen "Annales ducum Boiariae", in denen er die bayerische Geschichte bis zum Jahre 1460 behandelte. Die "Bairische Chronik" (geschaffen 1526–1533), eine deutsche Bearbeitung seiner Annalen, ist volkstümlicher geschrieben und besticht durch eine freie und unabhängige Denkweise in nationalen und kirchlichen Fragen.Johann Wolfgang von Goethe äußerte sich später lobend über dieses Werk.

Theoretisch könnte Aventin die Peutingersche Tafel gekannt haben:
Der Wiener Humanist Conrad Celtis (alias Konrad Bicke, 1459–1508) entdeckte die Handschrift und übergab sie um 1507 seinem Freund Konrad Peutinger.

Nicht verschwiegen werden soll jedoch dass die älteste bekannte Urkunde (788 n- Chr.)http://de.wikipedia.org/wiki/Erding#Geschichte von "Ardeoingas" spricht, also "Ardeo-ing". Man deutet das daher als Bajuwarischen -ing Ort der sich vom Eigennamen "Ardeo" ableitet.

4. Ptolemäus
Klaudius Ptolemäus gibt eine Stadt mit dem Namen "Carrodunum" an, die im Großraum München zu lokalisieren ist (sofern seine Koordinatenangaben stimmen):

In Vindelikien liegen entlang der Donau folgende Städte (Poleis):
Artobriga
Boiodurum

Südlich von diesen aber:
Augusta Vindelicorum
Carrodunum
Abodiacum
Cambodunum
Medullum
Inutrium

D.h. er bezeichnet diese Siedlung als Stadt.

5. Itinierarium Antonini
Wie die ursprüngliche Fragestellung zeigt, kommt man unter der Annahme einer nicht-geradlinigen Route auf archäologisch nachgewiesenem Verlauf mit hoher Genauigkeit von Ponte Aeni nach Erding.

Zur Lokalisierung von "Ponte Aeni" neige ich inzwischen dazu Pfaffenhofen/Kastenfeld als Ausgangspunkt anzusetzen. Mit diesem lassen die Entfernungen nach Bedaium (Seebruck) und Isinisca (bei Helfendorf) am stimmigsten mit den einigermaßen bekannten archäologisch belegten Trassenverläufen in Einklang bringen.

Sofern der Ausgangspunkt und der exakte Straßenverlauf bekannt wären könnte man die Lage von "Turo" auf +/- 750m (eine halbe römische Meile) eingrenzen.

Theorie
Damit läßt sich folgende Theorie aufstellen:

1. Erding war seit vorrömischen Zeiten bis heute kontinuierlich besiedelt, was ein Fundament für eine Namensüberlieferung darstellen kann
2. ein Name mit eventuell keltischen Wurzeln "Ariodunum" war bis Aventin (um 1500) bekannt
3. Zu Ptolemäus' Zeiten (ca. 140 n. Chr) hieß die römische Siedlung "Carrodunum" (oder wurde zumindest von ihm nach mündlicher Überlieferung so aufgeschrieben)
4. im Itinerarium (ca. 300 n. Chr.) ist das als eine Kurzform "Turo" notiert
5. Um 788 wird der Ort in einer Urkunde als "Ardeoingas" bezeichnet

Ob die drei Namen "Carrodunum", "Ariodunum", "Turo" mit "Arding", Erding, Altenerding auch etymologisch zusammenhängen, die eigentliche Wortbedeutung (Carro = Karren? Ar = Pflugschar?) und was es mit "Ardeoingas" auf sich hat mögen geeignetere Fachleute herausfinden.
hns
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Re: Wo liegt Turo bzw. Turum aus dem Itinerarium Antonini?

Postby hns on Sat Jan 16, 2010 12:57 pm

Traditionell (z.B. Reinecke, Walser) wird Turo bei Dorfen oder Haag gesucht, während Iovisura bei Landshut gesucht wird. Weitere Lokalisierungsversuche sind Töging (Rudolf Münch), Altötting (Bernhard Zöpf) und sogar Burghausen (Josef Stern).

Jetzt gibt es zu Töging neue positivie Hinweise, die selbst Dr. Pietsch zur Aussage verleitet:
Bis wir was Besseres finden, lassen wir Turum in Töging

Hier erst mal die Links auf die Berichte:
http://www.pnp.de/lokales/regionews_uebersicht.php?cid=29-26737918&Ressort=&Map=online-startseite-lokales-altoetting&BNR=0&Titel=
http://www.toeging.eu/inhalt-pics_1258013212010.html

Nun messen wir mal auf Google Earth wo wir mit den Entfernungen entlang des Inns:

Pfaffenhofen (Kastell) - Töging: 58 km
Töging - Passau: 86 km
Passau - Regensburg: 111 km

D.h. in Summe: 255 km.

Vergleichen wir mit dem Itinerar:
259,3 Item a Ponte Aeni ad Castra m.p. CL:
4 Turo m.p. XLIIII
5 Iovisura m.p. LXIIII
6 Ad Castra m.p. XLII.

Das spräche für eine Straße die einfach von Innsbruck kommend auf der linken/rätischen Seite des Inns bis Passau führt und von dort donauaufwärts bis Regensburg. Sie wurde in der Darstellung des Itinerars in zwei Teile gespalten die jeweils mit "Item a Ponte Aeni..." gekennzeichnet sind.

CL m.p. sind "nur" 222 km. Das sind ca. 12 % Abweichung.
Im Detail:

Ponte Aeni - Turo: 65 km
Turo - Iovisura: 95 km
Iovisura - Castra: 62 km

D.h. die Entfernung Pfaffenhofen - Töging kommt in etwa hin (wobei die Straße wohl etwas weiter vom Inn entfernt lief als bei meiner Messung angenommen. Dagegen muß von Töging eine Strecke angenommen werden die Passau rechts liegen läßt und mit 157 km um 40km kürzer ist. Das wäre auch eine Erklärung warum Boiodurum nicht im Itinerar auftaucht.

Eine solche Strecke zu finden ist schwierig da wir wenige Anhaltspunkte haben. Naheliegend ist "Iovisura" mit der Isar in Verbindung zu setzen. Daher könnte eine Strecke Töging - Landshut - Plattling - Regensburg in Erwägung gezogen werden. Ebenso aber auch Töging - Egenfelden - Künzing - Regensburg. Hier wäre dann "Iovisura" eine Siedlung in der Nähe der Isar-Mündung.

Eine ganz andere Idee wäre dass der Eintrag für Passau verlorengegangen ist und eine Entfernungsangabe fehlt. Und die Gesamtentfernung durch irgendeinen Abschreiber erst nachträglich berechnet wurde.

Dann wäre es:
Ponte Aeni - Turo: XLIIII / 65 km
Turo - Boiodurum/Batavis: LXIIII / 95 km
Boiodurum/Batavis - Iovisura - Castra: 111 km

Iovisura wäre dann 62 km von Regensburg und 49 km von Passau entfernt. Das wäre genau die Isarmündung bei Plattling.
hns
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