Ortsnamen im Hachinger Tal

Hier gehts um alles was mit Römern in Raetien und speziell rund ums Hachinger Tal zu tun hat. Angefangen mit der Römerstrasse über die Villa Rustica in Taufkirchen und "Vivamus" bis zur Tabula Peutingeriana, dem Itinerarium Antonini und den Notitia Dignitatum.

Ortsnamen im Hachinger Tal

Postby hns on Fri Oct 22, 2004 3:19 pm

Zur möglichen Herkunft von "Biberg" = "Pipurc"

http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~cd ... 8.htm#BURG

althochdeutsch puruc, purc
vulgärlateinisch burgus [vielleicht aus griechisch πύργος]

Bedeutungen:
* auch Ansiedlung außerhalb der Hauptstadt.
* befestigte Wohnstätte, Burg
* insbesondere: befestigter Hof
* Gehöftraum zwischen den Viehställen
* Dorf, Flecken
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Postby hns on Fri Oct 22, 2004 3:21 pm

Andere Deutung für Biberg bei Malching am Inn:

http://www.malching.de/touristik/sehens ... ereck.html

Der Ort Biberg (früher Pipurc = bei der Burg) war ebenfalls von jeher eine Schiffersiedlung

Ungefähr 500 Meter nördlich des früheren Schifferdorfes Biberg befinden sich Überreste einer durch Ackerbau weitgehend eingeebneten spätkeltischen Viereckschanze
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Römischer Burgus

Postby hns on Fri Nov 12, 2004 12:30 pm

Ein befestigtes Kleinkastell "Burgus" wie in Eisenberg (www.vicus-eisenberg.de) wäre in Biberg überhaupt nicht plausibel da die strategische Bedeutung fehlt.
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Römischer Burgus

Postby hns on Fri Nov 12, 2004 12:41 pm

Eine Kleinfestung "Burgus" wie in Eisenberg (http://www.vicus-eisenberg.de) oder Weltenburg-Vallatum wäre in Biberg überhaupt nicht plausibel da die strategische Bedeutung fehlt und die Burgis vor allem zwischen 400 und 470 n. Chr. entstanden.
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Postby hns on Thu Nov 25, 2004 2:14 pm

Aus http://sumpfhexe.de/html/flurnamen.html

Auf Überreste der Kelten weist der verbreitete Orts- und Flurname Biburg/ Biberg. Als Biburg (‚rings umschlossene Burg’) bezeichneten die um 500 n. Chr. einwandernden Bajuwaren keltische Viereckschanzen, die sie vorfanden.

Demnach müsste es bei Unterbiberg eine Viereckschanze gegeben haben. Bei Oberbbiberg ist das ja eindeutig der Fall.

Oder die Vier Ecken sind nicht Bedingung und der Kreisgraben/Wall war für die Namensgebung ausreichend.
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Postby hns on Thu Nov 25, 2004 2:20 pm

Aus: http://sumpfhexe.de/html/flurnamen.html

Entlang den Römerstraßen wurden Landgüter (lateinisch: villae rusticae) errichtet. Wo Alemannen auf Reste gemauerter römischen Häuser stießen und sich in deren Umgebung niederließen, nannten sie diese Stellen manchmal *wil. Das ursprünglich lateinische Wort wurde übernommen und entwickelte sich zum Lehnwort Weil weiter. Der Siedlungsnamen Weilheim (1010: Wilhaim, Vgl Rei 405) ist also als Siedlung bei Ruinen eines römischen Landgutes zu deuten. Da sonst entsprechenden Namen nur in ursprünglich alemannischen besiedelten Gebieten verbreitet sind, ist davon auszugehen, dass im Süden des Andechser Raumes Alemannen die ersten germanischen Siedler waren.

=> Bad Aibling / Willing
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Postby hns on Thu Nov 25, 2004 2:49 pm

ist eine ergiebige Erläuterung:

-biberg: Bezeichnung für keltische Viereckschanzen der um 500 n. Chr. einwandernden Bajuwaren
-wil/Weil: allamanische Bezeichnung für Reste gemauerter römischer Gebäude
-walch, -welsch: Bezeichnung romanische Restbevölkerung (vgl. Rätisches Namensbuch: http://www.eye.ch/swissgen/rnb/rnbtip-d.htm)
<Sippenname>-ing, -ingen: Bajuwarische Einwanderersippe ab 500 n. Chr. bis ca. 600
<Sippenname>-heim (-ham): ähnlich alt
-dorf: etwas später (Dorf=kleinste Siedlung)
-hausen, -hofen: erst ab ca. 800 entstanden (Herrenhof mit seinen Wirtschaftsgebäuden)
-ried: Rodung (ab. 9. Jhdt.)
-berg, -burg: 12. Jhdt
-statt, -stetten: Wohn- oder Hofstatt
-feld: waldfreie Fläche, ab 8. Jhdt
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Deutung

Postby hns on Thu Nov 25, 2004 2:54 pm

Orte im Hachinger Tal order Entlang der Römerstraße:

Ramersdorf:
Perlach:

Unterbiberg: bei einer Schanzenanlage

Unterhaching: Ort der bajuwarischen Sippe des Hacho

Westerham:
Taufkirchen: Kirche "Johannes der Täufer"
Bergham:
Winning: bajuwarisch
Pötting: bajuwarisch

Furth: Furt durch den Hachinger Bach
Oberhaching: Ort der bajuwarischen Sippe des Hacho
Deisenhofen: Höfe des Tiso/Tisin
Laufzorn:
Oberbiberg: bei der Viereckschanze
Kreuzpullach (buhlach):
Ödenpullach (Altenbuhlach):

Straßlach: "Lohwald an der Straße"

Lanzenhaar:
Otterloh:
Walchstatt: deutet auf einzelnen Hof der romanischen Restbevölkerung hin
Sauerlach:

Hofolding: bajuwarisch?
Faistenhaar (Vaistenhart):
Dürrnhaar:
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Postby hns on Wed Dec 08, 2004 10:28 pm

Das "Isartal Telefon&Adressbuch Ausgabe A" hat zu einigen Orten einen geschichtlichen und namensdeutenden Abriss:

Baierbrunn:
* "Paierbrunn" = "Brunnen der Bayern" oder "Bei dem Brunnen"
* wahrscheinlich römische Befestigung auf der heutigen Konradshöhe
* Grundstück hinter der alten Post wird als "Römerschanze" bezeichnet (Kastel "Bratanarium")
* erstmals erwähnt 776 (Schäftlarn)

Grünwald:
* hieß früher "Derbolfing"
* erste Urkunde 1048 (Tegernsee)

Pullach im Isartal:
* erste Urkunde 776
* einzelne Hügel und Hockergräber (2000-1500 v. Chr.)
* Pullacher Fürstengräber aus der Hallstattzeit (ca. 700 v. Chr.)
* "Poahloh", "Puachloch", "Pohloh"

Oberhaching:
* Ausgrabungen legten einen keltischen Herrenhof aus der Mitte des 1. vorchristlichen Jahrtausends frei
* Hügelgräber im hachinger Holz dürften aus dieser Zeit stammen
* "Römerschanzen" sind kentische Kultstätten
* an die Römerherrschaft (15 vor Chr. bis 480 n. Chr.) erinnern Münzfunde in Oberhaching und Laufzorn, vor allem aber die gut erhaltene Römerstraße
* um 520 wanderten Bajuwaren ein, und gründeten Siedlungen deren Namen meist aus germanischen Vornamen und der Silbe -ing gebildet wurden.
* Hachicho bzw. Hacho wird der Dorfgründer geheißen haben
* geht vermutlich auf das Adelsgeschlecht der Hachilinga zurück
* erste Urkunde (Schäftlarn) von 8. August 806
* Deisenhofen: Tegernseer Urkunde von 1068-1091: Tisinhova
* Furth: Testament von 1172

Sauerlach:
* "sulagaloh" = Suhlen für Wildschweine im Buchen/Eichenwald
* Hügelgräber bei Straucharting und Altkirchen
* Flurname "An der Walchstatt" unmittelbar an der Römerstraße läßt auf keltoromanische Siedler schließen
* erste Urkunde um 800

Schäftlarn:
* Kloster ca. 762 gegründet
* Hohenschäftlarn erstmals 778 urkundlich erwähnt
* umstrittene Deutung "Sceftilari" = Ort der Schäfte = Speerschnitzer, Waffenschmiede

Straßlach:
* keine Angaben
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Zu Ortsnamen auf -loh, -lach

Postby hns on Wed Dec 08, 2004 10:46 pm

Zu Ortsnamen auf -loh, -lach:

Der große Brockhaus (17. Aufl. Band 11) definiert

Loh,
1) [zu lat. lucus >Hain<] mundartlich für Busch, Hain, Wald; noch in Ortsnamen erhalten, z.B. Hohenlohe, Buchloe
2) [mhd. la] mundartlich für Sumpfwiese

und das Duden Herkunftswörterbuch:

Lohe,
1) Flamme, Flammendes Feuer - seit mdt. Zeit bezeugt
2) zum Gerben verwendete Rinde (Eiche, Fichte) - dt. und niederl. Sprachgebiet

Für Perlach passt die Deutung als Wiese sehr gut, da hier bzw. nördlich der Hachinger Bach sein Überschwemmungsgebiet in der Schotterbene hatte

Oder ist es doch römischen Ursprungs aus lucus?
Perlach: Per Lucus
Straßlach: Strata Lucus
Otterloh: Otterlucus (aber Otter = Schlange?)
Sauerlach / sulagaloh: ?
hns
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Re: Zu Ortsnamen auf -loh, -lach

Postby hns on Thu Dec 09, 2004 12:13 pm

hns wrote:Oder ist es doch römischen Ursprungs aus lucus?
Perlach: Per Lucus
Straßlach: Strata Lucus

www.pfarrei-perlach.de/Standardokumente/Bbrief.pdf schreibt dazu:

Das Tal des Hachinger Baches wird seit der Jungsteinzeit besiedelt. Eine Keltenschanze ist als Bodendenkmal im neuen Südfriedhof an der Hochäckerstraße erhalten, Archäologen erschlossen Funde aus der Römerzeit, ferner 1968 und 1999 westlich der Pfarrkirche bajuwarische Gräberfelder. Östlich des Dorfes erstreckte sich einst die „Perlacher Haid“ mit lockerem Lohwald, reich an Wild. Im alten Ortsnamen „Peralohc“ steckt der Begriff „Pera“ für Bär gleich Eber. In einer Urkunde von 790 ist Perlach erstmals erwähnt: „Der Priester Ihcho und sein Neffe Diakon Kerolt übergeben ihr eigenes Erbgut an das Haus Mariens und des Bekenners Korbinian zu Freising, das sie besitzen in Giesing, und zwar vollständig. Dazu schenken sie noch an einem anderen Ort, der Peralohc genannt wird, eine Kolonie.”

Also:
Perlach = lockerer Wald der Eber
Sauerlach = lockerer Wald der Schweine
Straßlach = lockerer Wald mit Straße
Otterloh = lockerer Wald mit Schlangen
usw.
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Walchstadt bei Icking

Postby hns on Mon Feb 28, 2005 2:41 pm

hns wrote:Aus: http://sumpfhexe.de/html/flurnamen.html

-walch, -welsch: Bezeichnung romanische Restbevölkerung

Die o.g. Link funktioniert derzeit nicht - aber Google hat es gespeichert: http://66.102.9.104/search?q=cache:20np ... hexe&hl=de

Dort steht zu Walchstadt:

Nach dem Abzug der römischen Staatsmacht blieben natürlich viele Menschen in ihrer Heimat. Sie wurden von den einwandernden Germanen als Walchi (Welsche) bezeichnet, nannten sich selbst aber Romani (Romanen). Die Namen Walchstadt (bei Icking, 780/800: Walchsteti, TrS 7) (Gem Wörthsee, 1325: Valchstat) bedeuten ???Wohnstätte des Walch (Romane)’. Die Romanen pflegten bis ins 8. Jahrhundert ihre eigenen Rufnamen.

Zu Walchstadt schreibt auch http://www.gewerbe-immobilien.net/ASP/S ... o&Art=Info

Geschichte
Icking gehört zu den Gemeinden, die auf eine sehr lange Besiedlungszeit zurückblicken können. Zur Römerzeit bestand in Icking bereits ein römisches Kastell, wie Ausgrabungen in letzter Zeit bestätigt haben. Die fünf noch vorhandenen Dorfkirchen weisen auf merowingische Niederlassungen hin. Icking, Irschenhausen und Wadlhausen verdanken ihre Namen bajuwarischen Sippenführern. Diese Orte gelten als die ältesten Teile der Gemeinde und sind schon um 800 urkundlich belegt. Lange Zeit hindurch waren Teile der Ortschaften dem Kloster Tegernsee verbunden.
hns
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Postby hns on Mon Feb 28, 2005 2:50 pm

Zu den Ortsnamen scheint es weitere Quellen zu geben:

http://216.239.59.104/search?q=cache:sI ... +tal&hl=de

Te 100 21.02.1990 Dr.Georg Spitzberger Entschlüsselung historischer Ortsnamen Altbayerns nach ihrer Herkunft aus römischer, vorrömischer & bajuwarischer Zeit

Te 29 26.10.2000 Dr.Reinhard Bauer, München Herkunft und Bedeutung der Ortsnamen im Raum München
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Postby Karl on Sun Apr 10, 2005 10:32 pm

Servus hns,

danke für die Vielzahl von links und anderen Informationen. Ich sehe erfreut, dass Sie meine Via Julia-Fotos unter Ihre Angaben aufgenommen haben.

Ich würde gerne die Texte von Brassler und Ebert lesen. Kennen Sie sie?

MfG

Karl Wilhelm
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Postby hns on Wed Apr 20, 2005 10:25 pm

Karl wrote:Ich sehe erfreut, dass Sie meine Via Julia-Fotos unter Ihre Angaben aufgenommen haben.

Aber gerne. Dazu ist ja das Internet da um Information zu verknüpfen statt in Archiven verstauben zu lassen...
Karl wrote:Ich würde gerne die Texte von Brassler und Ebert lesen. Kennen Sie sie?
Leider nicht. Haben Sie evtl. Titelangaben oder Erscheinungsdaten?

-- hns
Last edited by hns on Wed Apr 20, 2005 10:38 pm, edited 1 time in total.
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